Absturz einer B-24 Liberator bei

"Gut Höhnscheid"

Nachtjäger bringt neun Briten den Tod

Von: Hans-Joachim Adler und Dietmar Mühlhans 

 

 

Die B 24 Liberator ("Befreier"), eine amerikanische Maschine, war nach Beschuss von einem deutschen Flugzeug in der Nacht vom 20. auf den 21. März 1945 abgestürzt. Wie in vielen Nächten zuvor, waren auch in dieser Nacht die Maschinen der Royal Air Force über Deutschland im Einsatz, um Ziele im Reichsgebiet anzugreifen.

Auch der englische Küstenschutz setzte diesen Maschinentyp zur Überwachung gegen die U-Boote ein, und das mit großem Erfolg.

 

B-24 Liberator
B-24 Bomber während eines Tageinsatzes auf dem Weg zu ihrem Einsatzgebiet.

 

Die Besatzung der Liberator mit der Kennung TS 526 6-GT hatte die Aufgabe, in jener Nacht am Ende des Krieges einen Lancaster - Verband zu einem Grossangriff auf Leipzig - Bohlen zu begleiten. Dort sollte die Raffinerie zerstört werden. Bei diesem Einsatz sollte auch ein Angriff auf Kassel simuliert werden, das 2 Jahre vorher durch Bombenangriffe schwer beschädigt worden war.
41 schwere Lancaster - Bomber flogen durch das "Kölner Loch", hier wurden von den deutschen Nachtjägern die Abfangoperationen durchgeführt, ansonsten waren im restlichen Ruhrgebiet Flakgeschütze für die Bekämpfung der Bomber zuständig.

 

 

Lancaster Bomber
Flugaufnahme eines britischen Lancaster-Bombers.

 

Über Korbach hatte die Funkmessstelle "Cormoran" diese Flieger anvisiert und die Funkmessergebnisse an die im Luftraum befindlichen Nachtjäger weitergeleitet.

Hauptmann Hager flog mit seiner Besatzung - Funker Unteroffizier Schneider und Obergefreiter Bärwald als Heckschütze - in dieser Nacht mit seiner Messerschmitt Me-110 im Bereich von "Cormoran". Die Soldaten an den Bildschirmen führten den Nachtjäger bis auf zehn Kilometer an den Bomberverband heran. An Bord der Messerschmitt übernahm Unteroffizier Schneider die Erfassung über das bordeigene "Lichtenstein SN 2". Vor wenigen Monaten eingeführt, war dieses SN 2 eine gewaltige Weiterentwicklung. Dies hatte zur Folge, dass die Nachtjagderfolge gerade im März 1945 noch einmal stark anstiegen. Auch der ebenfalls mit modernstem Gerät ausgestatteten Liberator sollte die neue Erfindung der Deutschen zum Verhängnis werden. Die B-24 der 223. Squadron kam zurück aus dem Luftraum von Kassel, wo sie ihre Störmittel abgesetzt hatte. Eine solche Maschine konnte einen ganzen Bomberverband vortäuschen. In diesem Zeitraum hatte sich im Bereich der Weidelsburg Hauptmann Hager mit seiner Me-110 der Maschine bis auf Schussentfernung genähert. Kein Besatzungsmitglied der Liberator hatte wohl den deutschen Nachtjäger gesehen. Nur wenige Schüsse aus der deutschen MK 108 genügten, um die Maschine von ihrer Flugbahn abzubringen. Hager hatte nur wenig Zeit, denn schon wieder gab ihm Schneider Ortung übers Bordnetz bekannt. Eine viermotorige Maschine hatte sich als Zacken auf der Braunschen Röhre gezeigt. Mit Höchstgeschwindigkeit flog die Messerschmitt ihrem neuen Ziel entgegen.

 

Messerschmitt Me-110G4
Ein Messerschmitt Bf-110 Nachtjäger mit Lichtenstein-Radar. Die abgebildete Maschine wurde von britischen Truppen erbeutet und erhielt britische Hoheitskennzeichen zum Zwecke der Flugerprobung. Beachte die für deutsche Nachtjäger typischen Flammenvernichter auf der Auspuffanlage.

 

Was aber geschah von dem Zeitpunkt an, als die Liberator beschossen wurde, bis zu ihrem Absturz östlich von Freienhagen? Mit zehn Mann Besatzung hatte die B-24 drei Personen mehr an Bord als die normalen Bomberbesatzungen, aber jeder dieser Männer war ein Spezialist auf dem Gebiet der Kriegsführung. Viele dieser Maschinen durfte die Royal Air Force nicht verlieren!
Schon in der gleichen Nacht war eines dieser Flugzeuge über Dornheim bei Meschede abgestürzt. Die Spur der Trümmer zog sich über eine große Distanz. So das es dem Oberkommando der Luftwaffe nicht möglich war, genaue Erkenntnisse aus diesem Absturz ziehen zu können.

 

Absturzstelle eines B-24 Bombers
Abgestürtzter B-24 Bomber. Das Bild des Trümmerfeldes verdeutlicht die Zerstörungskraft beim Aufschlag einer so schweren nicht mehr zu kontrollierenden Maschine.

 

Mit an Bord der B-24 TS526 war Sergeant L. J. Vowler, als die Maschine östlich von Freienhagen im Wald aufschlug. Er bezahlte diesen Einsatzflug, wie acht seiner Kameraden, mit dem Leben. Nur einer der Besatzungsmitglieder kam mit dem Leben davon. Noch 1948 lagen die Trümmer im Wald. Angehörige der ums Leben gekommenen Luftwaffensoldaten hatten vor Ort die Reste fotografiert. Wenige Wochen später begannen Schrotthändler damit, die Reste des Flugzeuges abzutransportieren. Die amerikanische Besatzungsmacht hatte eine Freigabe für alle Kriegsaltlasten gegeben, so dass ein regelrechter Run auf solches verwertbares Material einsetzte.

 

 

B-24 Liberator im Modell 

 

Die Bilder zeigen ein Top gebautes und gealtertes Modell einer B-24 Liberator im Maßstab 1/72. Gesehen auf der Modellbau-Ausstellung. der "Modellbaufreunde Siegen", in Wilnsdorf.  

 

B-24 Liberator

 

B-24 Liberator

 

B-24 Liberator

 

 

 

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