Löhlbacher holten schwer verletzten Piloten vom Baum. Pilot Leutnant Pilippo überlebt den Absturz nicht.

Am 5. November 1944 stürzte bei Löhlbach ein amerikanischer Jagdbomber ab.

Von: Hans-Joachim Adler und Dietmar Mühlhans 

 

Die 36. Fighter Group ( vergleichbar mit einem deutschen Geschwader mit 120 Maschinen ) war im November 1944 im Bereich Le Culot ( Belgien ) stationiert. Auf dem europäischen Festland wechselte die Einheit vom 22. Juli 1944 bis 8. Mai 1945 sieben Mal den Einsatzhafen. Die erste Aufstellung im Rahmen der 9. Luftflotte erfolgte im englischen Kingsnorth. Der 36. Fighter Group gehörte die 53. Fighter Squadron an, in der auch Oberleutnant Guido Fritz Pilippo mit seiner P-47 Thunderbolt seine Einsätze flog.

 

P-47 Thunderbolt
Auf einem Feldflugplatz wird eine P-47 Thunderbolt für ihren nächsten Einsatz aufgetankt. Im Hintergrund ist ein Stapel Abwurftanks zu sehen. Die Zusatztanks wurden unter dem Rumpf der Maschinen montiert um deren Einsatzreichweite zu erhöhen.

 

Angriff auf Fliegerhorste

Am 5. November 1944 standen Angriffe auf fünf Fliegerhorste und eine Eisenbahnbrücke im Raum Kassel auf der Zielliste der 9. Luftflotte. Diese Luftflotte war die kleinere der US Air Force, die in England mit zwei Luftflotten vertreten war. Ihre Aufgabe lag im Bereich der taktischen Luftkriegsunterstützung. 28 Flugzeuge zerstörten die Jagdbomber an diesem Tag auf den deutschen Fliegerhorsten.

Oberleutnant Guido Fritz Pilippo, der zur blauen Gruppe gehörte, startete an diesem Morgen von Le Culot etwa gegen 10 Uhr mit seiner "Homesick Angel" ( Spitzname für die Maschine, zu deutsch: heimwehkranker Engel ).

Die Thunderbolt mit ihrem Gesamtgewicht von 6,7 Tonnen war der schwerste einmotorige Kolbenjäger, der während des Zweiten Weltkrieges zum Einsatz kam. Pilippo hatte mit seinen Rottenfliegern die Aufgabe, den Flugplatz Bracht zu attackieren. Der Angriff verlief auch recht erfolgreich, jedoch meldete der Oberleutnant seinem Rottenkameraden Leutnant Thomas Glenn über Funk, daß seine Maschine an Höhe verliere. Wahrscheinlich hatte er bei dem Motorenlärm den Beschuss durch die Flak nicht mitbekommen. In 3000 Metern scherte er über Gemünden aus dem Verband aus. Kurze Zeit später brach der Funkkontakt zur Thunderbolt von Pilippo ab. Der Absturz der P-47 mit derLeitwerksnummer 22 83 01 ereignete sich genau um 12 Uhr Mittags.

 

Absturzstelle einer P-47 Thunderbolt
Wrack einer P-47 Thunderbolt. Ähnlich könnte die Absturtzstelle in Löhlbach ausgesehen haben.

 

Wilhelmis Erinnerungen

In Löhlbach erinnert sich heute noch der Holzhändler Konrad Wilhelmi, der damals ein zehn jähriges Kind war, an das Ereignis:
"Wir spielten damals Fußball auf dem Sportplatz, der am jetzigen Platz auch 1944 schon existierte. Eine Stunde zuvor hatten Tiefflieger Jugendliche am Ortseingang nach Hundsdorf mit ihren Bordwaffen beschossen, so dass allen noch der Schreck in den Gliedern steckte. Gott sei dank war dabei aber nichts passiert. Nun, gegen die Mittagszeit, hörten wir plötzlich das Dröhnen eines Flugzeugmotors, der unregelmäßige Geräusche machte. Schnell kam die Maschine näher, eine Rauchfahne hinter sich herziehend. Alle liefen überstürzt vom Platz und versuchten, sich in Sicherheit zubringen. Alles ging rasend schnell vor sich, schon war das Flugzeug über den Sportplatz hinweg, beschrieb noch eine Kurve in dem kleinen Tal unterhalb, schlug dann im Forst einen Kilometer in östlicher Richtung im Wald auf.
Mit etwa acht Jungen liefen wir dann in Richtung Absturzstelle. Dort hing der Pilot mit seinem Fallschirm in einer Fichte, die Maschine wat total zerstört, aus den Überrestenschlugen die Flammen, beide Tragflächen waren abgerissen und lagen auf dem Waldboden. Ich kam nicht mehr bis zum Wrack, da ein anderer Jugendlicher bei dem Flieger eine umgeschnallte Pistole gesehen hatte. Schnell liefen wir zurück nach Löhlbach, da uns die ganze Sache nicht ganz geheuer war."

Andere Zeitzeugen berichteten, dass der Pilot an seinem Fallschirm hing, der sich bei der geringen Höhe nicht mehr entfaltet hatte. Äste der Fichte hatten sich durch seinen Körper gebohrt. Oberleuntant Pilippo hing nur 50m von seiner Maschine entfernt im Baum. Langsam sammelten sich die Löhlbacher Bürger an der Unglücksstelle.

Ein in Uniform hinzugekommener Parteifunktionär dramatisierte die Situation noch, indem er mit entsicherter Pistole auf den Piloten zielte. Als er bemerkte, daß hier kein Ruhmesblatt mehr zu ernten war, zog der Mann wieder ab. Anwohner aus Löhlbach bargen Pilippo aus dem Baum. Da noch Lebenszeichen vorhanden waren, fuhr der Bäckermeister Wilhelm Reinhard ihn mit einem Pferdefuhrwerk nach Bad Wildungen ins Helenenheim, das später während der Besatzungszeit die Bezeichnung "Garrison Hospital" trug.
Hier verstarb er einen Tag später an seinen schweren Verletzungen. Auf dem Bad Wildunger Friedhof wurde er anschließend beigesetzt im Grab mit der Nr. 13. Die sterblichen Überreste wurden nach dem Krieg exhumiert und auf einen Soldatenfriedhof nach Holland überführt.
 

P-47 Thunderbolt im Formationsflug
P-47 Thunderbolts im Formationsflug.

 

Einige Tage nach dem Absturz erschien an der Unglücksstelle ein deutscher Bergetrupp der Wehrmacht. Man begann, die Überreste zu zerlegen, um sie transportfähig zu machen. Aus den Tragflächen mußten die überschweren Maschinengewehre vom Kaliber .50 ausgebaut werden, immerhin besaß eine P-47 acht davon mit einem Schussvorrat von 2.400 Geschossen. Beim Ausbau dieser Waffen muss ein Soldat etwas unvorsichtig gewesen sein. Da er gerade vor der Mündung der Waffe stand, tötete ihn ein Schuss, der sich aus dem entsicherten MG löste. Über den Verbleib sowie den Namen dieses deutschen Soldaten ist leider nichts bekannt. Vielleicht kann hier ein Leser weiterhelfen.

Der Historiker Jörg Merlau aus Rauschenberg recherchierte, dass eine Thunderbolt am 5. November 1944 von der Fugplatzflak Bracht mit Erfolg beschossen wurde. Eine andere Einheit der Amerikaner konnte aus einiger Entfernung eine P-47 niedergehen sehen. Rund 52 Jahre später fand der Kampfmittelräumdienst an der Stelle des Geschehens noch zwei nichtexplodierte Flakgranaten, die im Rumpf der Maschine mitgetragen wurden, aber bei der Demontage herausfielen.

Gerade die Munition an den Absturzstellen ist auch heute noch ein großes Problem. In wenigen Jahren wird die Generation der Zeitzeugen verstorben sein. Sehr viele Unglücksstellen müssen aber noch aufgenommen werden. Nur durch Informationen von Zeitzeugen ist es möglich, solche Berichte zu erfassen.

 

 

P-47 Thunderbolt
Eine P-47 Thunderbolt bei einem Einsatzflug. Die Maschine ist mit Abwurftanks unter den Flügeln ausgerüstet.

 

 

 

P-47 Thunderbolt im Modell 

 

Modell einer P-47N Thunderbolt
Die Bilder oben und unten zeigen das Modell einer P-47N Thunderbolt im Maßstab 1/48. Der Bausatz stammt von der Firma Academy und wurde "Out of Box" gebaut. Lediglich die MG-Läufe in den Tragflächen wurden, zwecks besserer Detailierung durch geeignete Kanülen ersetzt.
Modell einer P-47N Thunderbolt

 

 

Modell einer P-47N Thunderbolt mit original Teilen
Modell einer P-47 Thunderbolt mit original Wrackteilen.

  

 

 

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