Luftkampf über Korbach am 1. März 1945

Was geschah mit 2nd Lt. Dale N. Greely?

 

Von Dietmar Mühlhans 

 

 

P-38 Lightning auf Feldflugplatz
P-38 Lightning auf einen Feldflugplatz in Europa

 

Februar/März 1945. Für Deutschland zeichnete sich in diesem zweiten Weltkrieg eine Niederlage ab, die mit der von 1918 nicht zu vergleichen ist. In diesem Krieg fand das Kampfgeschehen nicht im Ausland statt, sondern die deutsche Bevölkerung war unmittelbar in die Kampfhandlungen mit einbezogen. Hitler, im vollen Wissen über die bevorstehende Niederlage, ließ die Wehrmacht bis zuletzt weiterkämpfen. Millionen von Soldaten hatten in diesem Krieg bis zu diesem Tag ihre Gesundheit und ihr Leben geopfert. Doch nun, da sich für das Naziregime das Ende abzeichnete, wurden die Durchhalteparolen noch lauter und der totale Krieg, den Göbbels im Berliner Sportpalast propagiert hatte, war Wirklichkeit geworden.

Noch härter und noch radikaler, als man ihn sich überhauptvorstellen kann! Das waren seine Worte 1943 gewesen.
Auch im Kreis Frankenberg bekam die Bevölkerung dies zu spüren. Am Tage beherrschten die Jabos (Jagdbomber) der 8. und 9. Luftflotte der U.S. Air Force den Himmel über Deutschland, und in der Nacht kamen die Bomber des Bombercommands und Nachtjäger der 2. Englischen Taktischen Luftflotte.

 

Die Lockheed P-38 Lightning

P-38 Lightning
P-38 Piloten bei der Einsatzbesprechung

Der Erstflug dieses zweimotorigen Jagdeinsitzers erfolgte am 27.1.1939. Ursprünglich als Höhenabfangjäger geplant zeigte sich, nach Ihrem erscheinen auf dem europäischen Kriegsschauplatz, das die P-38 den deutschen Jägern vom Typ Fw-190 und Me-109 im Luftkampf unterlegen war. Aus diesem Grund wurde sie schon bald durch die P-47 Thunderbolt und die P-51 Mustang ersetzt. Dennoch blieb dieser Flugzeugtyp bis Kriegsende aufgrund seiner schweren Bugbewaffnung und der hohen tragfähigkeit an Außenlasten, als Jagdbomber im Einsatz. Die Bugbewaffnung bestand aus einer 20mm Kanone und vier 12,7mm MG´s. Dazu konnte die Lightning bis zu zehn 13cm Raketen oder 1916kg Bomben tragen. Als Antrieb dienten zwei 1425PS starke Allison Motoren mit Abgasturboladern. Ihre unkonventionelle Doppelrumpfanordnung brachte ihr auf deutscher Seite den Spitznamen „Gabelschwanzteufel“ ein. Insgesamt wurden 9923 Maschinen dieses Typs gebaut.

 

Die Ereignisse am Morgen des 1. März 1945

2nd Lt. Dale N. Greely
2nd Lt. Dale N. Greely

In den frühen Morgenstunden des 1. März 1945 starteten 2nd Lt. Dale N. Greely und sein Flügelmann Roy E. Osborne (beide von der 370th Figthergroup, 401st Fightersquadron) mit ihren Maschinen vom Typ P-38J Lightning (Seriennr. 0766496; 2nd Lt. Greely und Seriennr. 0557285; 1st Lt. Osborne). Beide Maschinen voll aufgetankt und mit Bomben beladen. Ihr Tagesbefehl lautete: “bewaffnete Aufklärung“.

Die Piloten starteten mit Kurs Hamm in Westfahlen. Sie sollten Störangriffe und Aufklärung im Raum Soest und Hamm fliegen. Als Lt.Greely und Lt.Osborne ihr Zielgebiet erreichten mussten sie feststellen das es unter einer tiefhängenden Wolkendecke lag. Lt. Osborne gab später im ACMR (Air Crew Missing Report) der USAAF (United States Army Airforce) die Wolkenobergrenze mit 4500 Fuß an. Kurz vor dem herabstoßen durch die Wolkendecke,um mögliche Ziele ausfindig zu machen und anzugreifen, tätigte Lt.Osborne noch einmal einen Rundumblick um sich zu vergewissern das sein Flügelmann hinter ihm war. Zu diesem Zeitpunkt wußte Osborne noch nicht, dass es das letzte sein würde was er von Lt.Greely sehen würde.

Die Männer der 401st Squadron , 370th FG
Die Männer der 401st Squadron , 370th FG

Der Beginn des Angriffs wurde später mit 09:10 Uhr festgehalten. Nachdem Lt.Osborne wieder durch die Wolkendecke nach oben gestoßen war sah er sich gleich wieder um. Lt.Greely konnte er jedoch nirgends ausfindig machen. Er versuchte seinen Flügelmann zweimal per Funk anzusprechen, aber er bekam keine Antwort. Lt.Osborne kreiste mit seiner P-38 noch fünf Minuten über dem Gebiet. Von Lt.Greely war jedoch nichts zu sehen. Nach seiner Rückkehr zum Stützpunkt meldete Lt.Osborne umgehend den Verlust seines Kameraden. Im schriftlichen Bericht von Lt.Osborne, welcher dem ACMR beiliegt, steht als Absturzursache feindliches Bodenfeuer. Der letzte Sichtkontakt ist mit 09:10 Uhr nahe Soest angegeben.

 

Abschrift des original Berichtes von 1st Lt. Roy E. Osborne

Lt. Greely mit Kameraden
Lt. Greely (hinten links) mit Kameraden

„I was flying Blue Three and Lt. Greely was my wingman. We were divebombing the marshalling yard at Soest, Germany (B2529). We were flying a zero degree heading at the time of the run. There was a cloudlayer at 4,500 feet over the target, with the southern edge of the cloud running on an east-west line right over the target. We dived at the target, broke up and to the right. Then I came up through the clouds and look around. I did not see Lt. Greely´s plane. I did see him just before the start of the dive-bombing run because I looked around behind me to see if he was inposition. The attack took place about 0910 hours, 1 March 45. My flight circled above the area for five minutes but nothing was ever seen if Lt. Greely. I called him twice over radio and received no answer.”

 

Was geschah wirklich?

Neueste Zeitzeugenaussagen, welche im Zusammenhang mit der Bergung der Überreste von Lt.Greely´s P-38 aufgenommen wurden, sowie bisherige Ermittlungen, belegen jedoch das Lt.Greely nicht bei Soest durch Bodenfeuer abstürzte. So konnten von mir mehrere Zeitzeugen ermittelt werden, welche unabhängig von einander klar angaben, das kurz hinter der Maschine von Lt.Greely ein deutscher Düsenjäger (vermutlich eine Me-262) aus den Wolken stieß. Nach einem kurzen Feuerstoß der deutschen Maschine ging die P-38 brennend zu Boden. Der deutsche Düsenjäger verschwand sofort nach dem Abschuß wieder in den Wolken.

Nachdem Lt.Greely´s Flugzeug zwischen den Orten Rhena und Lengefeld bei Korbach im freien Feld auf einem Acker aufschlug landete Lt.Greely, der noch mit seinem Fallschrim aussteigen konnte, zwischen Lengefeld und Goldhausen. Nach kurzer Suche wurde Lt.Greely von den Bürgern gefangen genommen und den zuständigen Behörden übergeben. Lt.Greely wurde nach bisherigen Nachforschungen als Kriegsgefangener auf den Weg in die SS-Kaserne in Bad Arolsen geschickt, wo er jedoch nie ankam.

 

P-38 Wrack
Erdverkrustete Wrackteile nach der Bergung

Aufgrund der Nachforschungen lässt sich nun belegen, dass die P-38 von Lt.Greely nicht wie angenommen durch Bodenfeuer nahe Soest abstürzte, sondern von einem deutschen Jäger über 100km östlich des angenommenen Absturzortes abgeschossen wurde. Nach einer genauen lokalisation und einer ersten Besichtigung der Absturzstelle vergingen weitere 5 Jahre Forschungsarbeit bevor im August 2004 die letzten Überreste der P-38J von 2nd Lt.Greely geborgen wurden.

Diese befinden sich Heute, nach deren Reinigung und Konservierung, im Fundus des Museums für Technik und Geschichte in Miniatur.   

 

Die folgende Bildserie zeigt einige wenige der zahlreichen Wrackteile im gereinigten und konservierten Zustand, welche an der Absturzstelle geborgen werden konnten.


Wrackteile P-38 Lightning
Gereinigte und konservierte Wrackteile der P-38J

 

Wrackteile der P-38J Lightning von Lt. Greely
Wrackteile der P-38J Lightning von Lt. Greely

 

Wrackteile der P-38J Lightning von Lt. Greely
Kolben, Ventil und ein Teil der Kurbelwelle

 

Wrackteile der P-38J Lightning von Lt. Greely
Teil der Kurbelwelle eines Allison 1710 Triebwerks

 

 

Modell einer P-38J Lightning        

 

Das Modell Zeigt eine P-38J Lightning im Maßstab 1/48, wie sie während des Zweiten Weltkrieges im Pazifik eingesetzt war. Ein Flugzeug des gleichen Typs war die  Maschine von 2nd Lt. Dale N. Greely, welche am 1. März 1945 in der Nähe Von Korbach abstürtzte.

 

P 38
P-38J Lightning Maßstab 1/48

 

P 38
P-38J Lightning Maßstab 1/48

 

P-38J Lightning
P-38J Lightning Maßstab 1/48

 

Das Modell entstand aus dem P-38 Bausatz der Firma Academy und wurde ohne zusätzliches Zubehör "Out of Box" gebaut. Lediglich die MG-Läufe wurden durch passende Kanülen ersetzt.

 

 

Modell einer Messerschmitt Me-262A1a         

 

Das Modell Zeigt eine Messerschmitt Me-262A1a im Maßstab 1/32. Ein Flugzeug des gleichen Typs war die  Maschine, welche 2nd Lt. Dale N. Greely am 1. März 1945 in der Nähe Von Korbach abschoß.

 

Messerschmitt Me-262A-1a
Top gebautes und gealtertes Diorama mit einer Messerschmitt Me-262A1a in einer Werfthalle. Das Modell ist im Maßstab 1/32. Gesehen auf der Euro-Modell-Expo in Heiden.

 

 

 

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